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Geschichte #60 – Der Victoriasee

(35 Minuten lesen und schauen)

Der Victoriasee

Vielen Dank an Rodrigues, der mich auf dieses Thema aufmerksam gemacht hatte.

Der größte See in Afrika, zweitgrößter Süßwassersee, drittgrößter See überhaupt. Wurde von seinem englischen Entdecker 1858 zu Ehren der damaligen Queen Victoria benannt. War einst eines der vielfältigsten Biotope auf diesem Planet, bis der industrialisierte Mensch diesen See für den Kommerz nutzbar machen wollte.

Die Katastrophe

Irgendwann in den 1960er Jahren war Irgendwer der Meinung, dass es ganz was Tolles wird, wenn man den Nil-Barsch in den Victoriasee aussetzt. Die Fakten, wer, wann, wie viele, kann heutzutage keiner mehr so genau sagen, laut Wikipedia war der Grundgedanke dabei, einen „Kommerziell verwertbaren Speisefisch zu züchten“.

Aber was passiert in der Regel, wenn man ein Raubtier in ein Biotop freilässt, in dem die anderen, natürlich vorkommenden Arten, niemals einen Fressfeind hatten? Das Raubtier frisst alles, was er fressen kann. Das Ergebnis war, dass nach etlichen Jahren, 400 Fischarten des Victoriasees so gut wie ausgestorben sind und der Nil-Barsch fast das einzige Tier war, was in diesem See zu finden war.

Für die Fischer war das jedenfalls eine gute Tat, denn fast 30 Jahre konnten diese wenigstens von dem Fang der Nil-Barsche auskommen, auch wenn diese Fische, nach dem filetieren, nach Europa und Asien ausgeflogen wurden. Täglich wurden bis zu 500 Tonnen Fisch per Flugzeug exportiert, davon konnten jeden Tag etwa 2.000.000 Menschen essen, allerdings nicht die Menschen in Tansania. 1.000.000 Menschen hungern dort und müssen von dem Leben, was die Fischverarbeitung dort wegwirft, die Fischköpfe. Naja, mittlerweile ist aber auch der Nil-Barsch so weit überfischt, dass sich wenigsten einige der fast ausgerotteten Arten erholen können.

Deutsche Welle „GLOBAL3000 – Das Ende der Fischindustrie?“(8 Minuten)

 

 

Auffällig ist jedenfalls, dass der Nil-Barsch keine Pflanzen, sondern nur Pflanzenfresser frisst. Dadurch wuchert seit Jahren die Wasserhyazinthe im Victoriasee, wohl so schlimm, dass große Teile der Küste von Uganda mehr nach Acker als nach Gewässer aussehen. Jedenfalls geht der Sauerstoffanteil im See immer weiter runter.

NTV Kenya (2 Minuten – Englisch!)

 

 

Dass nun auch noch um die 30.000.000 Menschen direkt am See wohnen und dort zusätzlich ihre Hinterlassenschaften ableiten, wird die Sache letztendlich nicht besser machen.

 

 


 

 

Kommen wir nun zum Filmmaterial, was auf YouTube zu finden ist.

Zu dem eigentlichen Desaster ist keine deutschsprachige Reportage zu finden gewesen. Wenigstens hab ich die beiden Videos oben gefunden, die sich wenigstens mit Teilaspekten beschäftigen.

Der Wikipedia-Artikel zum Thema war von Interesse, steht da wenigsten die Informationen, die ich gesucht hatte. Dort wurde ich dann auch auf die Reportage „Darwin´s Alptraum“ aufmerksam gemacht, die ich nicht unbedingt weiterempfehlen möchte, aber aus Mangel an Material doch hier vorstellen muss. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Victoriasee#.C3.96kologisches_Desaster

Diese Dokumentation lässt die Menschen vor Ort, mit ihren Lebensgeschichten, zu Wort kommen. Leider bleiben so die eigentlichen Fakten des Problems auf der Stecke oder werden nur kurz angesprochen. Das, was diese Menschen zu sagen hatten, wurde leider nur untertitelt, was bei der Länge des Films anstrengend wird. Der Film ist für meinen Geschmack viel zu lang und der Spannungsbogen hat auch irgendwie gefehlt. Allerdings sind einige der gemachten Aussagen interessant, wie zum Beispiel, dass die Flugzeuge eigentlich leer hinfliegen und nur den Fisch abholen, aber dann doch immer wieder irgendwelche Kisten mit „Bohrwerkzeugen für die Ölförderung“ ausgeladen werden. Bei dieser Reportage steht zwar oben immer das Sendelogo „ SF-zwei“, aber dieser Film war eine gemeinsame Produktion von ARTE mit dem WDR, was kurz im Vorspann eingeblendet ist.

ARTE/WDR/SF-zwei – „Darwin´s Alptraum“ (103 Minuten)

 

P.S.: Bei uns kommt der Nil-Barsch als sogenannter Victoria-Barsch auf den Teller!

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